Du bist selbst Mama und absolut nie gestresst? Herzlichen Glückwunsch! Dann kannst Du hier eigentlich bereits aufhören zu lesen 🙂 Da ich aber wirklich keine Mutter in meinem Umkreis kenne, die nicht wenigstens ein paar Mal über Stress klagt, habe ich Euch heute einmal die fünf häufigsten Arten von Stress zusammengefasst, unter denen Mütter leiden. Ich bin gespannt, ob Ihr Euch im ein oder anderen Punkt wiederfindet, lasst es mich gern in den Kommentaren wissen!

1. Terminstress

„Kannst Du später anrufen? Ich bin gerade total im Stress!“ Wenn wir davon sprechen, dass wir gestresst sind, meinen wir meistens terminlichen Stress. Wir glauben, in zu kurzer Zeit zu viel erledigen zu müssen. Als Mutter sind wir oftmals Organisationstalente und schaffen wirklich ganz schön viel. Trotzdem macht sich manchmal das Gefühl der Überforderung breit wenn im Nebenraum die Waschmaschine piepst, das Kind brüllt, an der Tür der Paketbote klingelt und dann auch noch die Schwiegermama anruft. Dann ist da noch der Kinderarzttermin, das Kaffee-Date mit der Freundin und der PeKip-Kurs am Nachmittag. Wenn die Kinder groß werden, wird es nicht besser. Die Ballettstunde, der Elternabend, Kindergeburtstag, Musikunterricht…die ganze Familie hat dann „keine Zeit“.

Raus aus der Terminfalle

Am besten ist, man reduziert terminlichen Stress so gut es eben geht. Muss es wirklich Babyschwimmen, PeKip und Fabelkurs sein oder reicht auch einer dieser Kurse? Lässt sich das ein oder andere Hobby, das vermeintlich der Entwicklung und Förderung dienen soll streichen, damit auch das Kind weniger Terminstress hat? Nehmt Euch feste Tage vor, an denen ALLE Familienmitglieder keinen Termin haben. Entdeckt gemeinsam die Natur, lest, singt, spielt Gesellschaftsspiele. Bei jüngeren Kindern und Babys reicht oft auch ein kleinerer Krabbeltreff mit Freunden, ein gemeinsamer Besuch am Badesee, ein Besuch bei Oma und Opa. Die ganz Kleinen sind von zu vielen Terminen und Eindrücken ohnehin schnell reizüberflutet. Bei älteren Kindern ist es – das ist aber nur MEINE Meinung – absolut in Ordnung, wenn diese auch einmal Langeweile kennenlernen, sich damit auseinandersetzen und dadurch vielleicht ganz eigene Taktiken entwickeln, sich zu beschäftigen.

Das heißt natürlich nicht, dass man seinem Kind keinen Input geben soll oder es zum „Langeweile-erleben“ in sein Zimmer schickt. In meinen Augen ist es aber sinnvoll, nicht Montags bis Samstags ständig irgendein Hobby auszuüben und Terminen nachzugehen sondern genug Zeit für freies Spiel und Freundschafts-Dates zu lassen. Und auch für Mama gilt: Auszeiten sind wichtig! In der Stunde, in der Oma das Baby im Kinderwagen schiebt, darf ruhig auch mal entspannt werden. Der Haushalt läuft nicht weg, der Paketbote klingelt auch morgen wieder und die beste Freundin kann zum Entspannen ja einfach mit aufs Sofa kommen 😉

2. Einsamkeit und Verantwortung

Nicht nur Alleinerziehende fühlen sich im Mama-Alltag oft allein. Und alleingelassen.  So viel Verantwortung, so viel zu tun. Alles hängt von Dir ab. Es fängt in der Schwangerschaft an. Was Du isst, was Du machst oder nicht machst…alles hat Einfluss auf die Entwicklung Eures Babys. Wenn Du stillst, bist allein DU dafür verantwortlich, dass das Baby ausreichend trinkt und gut gedeiht. Wow, was für ein Druck! So viel Verantwortung! Dazu kommt, dass Väter oftmals recht schnell nach der Geburt eines Kindes wieder vollzeit arbeiten gehen, Omas, Opas und Tanten wohnen nicht selten zu weit weg, als dass sie uns täglich unterstützen und Gesellschaft leisten könnten. Evolutionär gesehen sind wir aber nun mal dafür gemacht, Kinder im Familienbund großzuziehen. Mütter mit Babys hätten in der Steinzeit niemals alleine überlebt. In vielen Urvölkern ist es heute noch so, dass die komplette Familie bei der Versorgung, Betreuung und Erziehung der Kinder mithilft und Mütter von einem Netzwerk aus Familienmitgliedern profitieren. Heute ist man als Mama oft allein. Man schmeißt den Haushalt, kümmert sich um das Baby und abends ist man dann völlig fertig und vermisst manchmal auch tagsüber einfach jemanden, mit dem man sprechen, sich austauschen oder sich ausweinen kann.

Schluss mit Einsamkeit

Kinder brauchen mehrere Bezugspersonen. Darum ist es keine Schande, sie für begrenzte Zeit einer anderen Person anzuvertrauen. Nimm ruhig jede Hilfe an, die sich Dir bietet. Großeltern, Patentanten, Väter, KiTa, Babysitter. Je nach Alter Deines Kindes ist natürlich abzuwägen, welcher Bezugsperson Du es anvertrauen möchtest und natürlich ist es auch Typsache, wie Mama sich dann fühlt. Ich z.B. nutze gern jede Gelegenheit, die sich mir bietet, um in Ruhe den Haushalt zu machen, einkaufen zu gehen, Sport zu treiben. Dennoch habe ich bis heute immer ein mulmiges Gefühl und verspüre einen gewissen Zeitdruck, nach dem Motto „schnell wieder nach Hause zu meinem Kind“, der aber eigentlich immer unbegründet ist. Gegen Einsamkeit im Mama-Alltag helfen natürlich auch Krabbel-Gruppen, Spielplatz-Dates etc. Dein Kind wird den Kontakt mit anderen Kindern sicher genießen und zeitweise andere Betreuungspersonen akzeptieren.

3. Gut gemeinte Ratschläge

Bereits in der Schwangerschaft wird man als Frau, besonders als angehende Erstlingsmutter, mit vermeintlich gut gemeinten Ratschlägen geradezu überschüttet. Jeder hat sooo viele gute Tipps parat, dass man oft gar nicht weiß, welchen Tipps man vertrauen kann und welchen nicht. Normalerweise können erwachsene Frauen ganz gut für sich selbst sorgen. Sobald ein Kind unterwegs ist, wollen plötzlich aber alle mitreden. Es wird noch schlimmer, wenn das Baby erst einmal da ist. Vermeintliche Erziehungsexperten, oftmals aus der eigenen Familie oder dem Bekanntenkreis, geben zu jedem Pups des Babys ihren Senf dazu. „Du verwöhnst Dein Kind doch, wenn Du es dauernd trägst“, „Also WIR hatten mit drei Monaten ja einen festen Rhythmus“, „Länger als 6 (9, 12, 16…bitte ausfüllen) Monate zu stillen, ist doch abartig!“, „Also bei UNS klappt das mit dem Durchschlafen prima, vielleicht solltest Du sie/ihn einfach mal ins eigene Bett legen“. Ich könnte noch unzählige tolle „Expertentipps“ aufzählen. Jede Mama und jeder Papa will vermutlich das Beste für das eigene Kind. Kritik und als gut gemeinte Ratschläge verpackte unterschwellige Vorwürfe treffen daher mitten ins Herz und kratzen am Eltern-Ego. Wir fühlen uns angegriffen und geraten in Stress weil wir meinen, uns für unser Handeln rechtfertigen zu müssen oder einfach keine schlagfertige Antwort parat haben und uns hinterher darüber ärgern.

Danke, ich mache lieber meine eigenen Fehler!

Wenn Dich ein „gut gemeinter“ Ratschlag das nächste Mal trifft, versuche herauszufinden, warum das so ist. Bist Du Dir bei dem angesprochenen Thema vielleicht selbst nicht ganz sicher, was „richtig“ und was „falsch“ ist? Dann recherchiere, lies nach, frage „echte Experten“, frage MEHRERE Personen um ihre Meinung und nur solchen, denen Du vertraust. Bilde Dir eine feste eigene Meinung und tritt beim nächsten Mal selbstbewusst auf und stehe für Deine Meinung ein. Du willst Dein Kind auch noch mit 2 Jahren stillen? Prima, dann recherchiere Argumente, die Du für Dein Vorhaben anbringen kannst. Du möchtest dass Dein Kind im Familienbett schläft? Super, dann erkläre anderen die Vorteile oder einfach nur, warum es FÜR EUCH der beste Weg ist. Die Ratschlaggeber wollen selten etwas Böses, verpacken ihre eigene Meinung aber oftmals sehr unvorsichtig. Ein Satz, der besonders Omas den Wind aus den Segeln nimmt: „Ach Oma, lass mich mal meine eigenen Fehler machen. Aus Fehlern lernt man doch nur.“ 😉 Sollten weiterhin ungefragte Ratschläge kommen, sage der Person, dass Du ihre Anteilnahme und Meinung zwar schätzt, aber gerne Deine eigenen Erfahrungen auf Deinem Weg sammeln möchtest.

4. Fremdbestimmtheit

Spontan mal eben in die Stadt zum shoppen – NO CHANCE! Schnell ins Fitnessstudio, weil es dort morgens noch so schön leer ist – vergiss es! Pediküre, Körperpflege, Schaumbad oder Friseurtermin – nur mit Babysitter! Als Mama geht vieles einfach nicht mehr so spontan und ungeplant. Das kleine Menschenkind braucht, je nach Alter, 24h Betreuung, Bespaßung und Aufsicht. Wenn Mini brüllt, ist Mama zur Stelle und das rund um die Uhr. Alles wird stehen und liegen gelassen, jede Tätigkeit wird unterbrochen. Man ist angewiesen auf Mittagsschlafzeiten, Babysitter und Papazeit, damit man nur einmal fünf Minuten für sich hat. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins und der absoluten Anhängigkeit, kann negative Stressgefühle verursachen.

Zurück zu mehr Selbstbestimmtheit

Als Mama muss man hier schon etwas kreativ werden und auch loslassen können. Wir müssen lernen, dass es okay ist, das Baby – und ich spreche von Babys weil ich mir einbilde, dass es leichter wird, je älter die Kinder werden, haha J – auch einmal abzugeben. Damit meine ich nicht, dass man sein Kind ab Tag 1 fremdbetreuen lassen soll. Ich spreche von kurzen Auszeiten. Von Papa-Zeit (ja, Papa macht vieles zwar anders als Mama aber eben nicht schlechter), damit Mama zum Friseur kann. Von Oma-Zeit, damit Mama mal mit der Freundin in die Stadt kann, und nicht jeder Tag nur aus Baby-Betreuung und Haushalt besteht. Von Babysitter-Zeit (meist erst mit älteren Babys und Kleinkindern möglich), damit Mama und Papa mal zwei Stunden zum Italiener um die Ecke gehen können, um sich nicht als Paar zu verlieren. Genauso können kreative Lösungen wie z.B. ein Tragetuch zu mehr Mobilität und damit Selbstbestimmtheit im Alltag führen.

5. Perfektionismus

Schöne heile Instagramwelt. Bei den Bloggermuttis scheint immer alles aufgeräumt. Der fleckenlose weiße Teppich liegt unter dem Designertisch auf dem zwei gefüllte Kaffeetassen stehen. NO WAY! Mein weißer Teppich hat Flecken (Spiegel, Klamotten, Sofa, Schränke und Türen übrigens auch), die Küche ist meist ein Chaos und wenn ICH irgendwo Gläser oder Tassen stehen hätte, wären diese in kürzester Zeit von Mathilda abgeräumt und verschüttet, haha. Ich glaube, das ist bei vielen Muttis so und was wir in den Sozialen Medien präsentiert bekommen, ist eben nur eine Momentaufnahme, meistens inszeniert. Dennoch vergleicht man sich insgeheim mit den scheinbar perfekt gestylten Super-Moms, denen alles leicht zu fallen scheint, deren Kinder nie schreien oder trotzig sind und bei denen nicht ein Krümel am Boden liegt. Wir wollen genauso perfekt sein. Die bestmögliche Mutter für unsere Kinder, die ihnen die tollsten Förderkurse ermöglicht, das aktuellste Spielzeug beschafft und die geilste Kinderparty veranstaltet. Wir wollen das tollste Kinderwagenmodell, das pädagogischste Lernspielzeug und die gesündeste Ernährung.

Gut genug statt perfekt

Perfektion ist unrealistisch. Hör auf, Dich mit anderen scheinbar perfekten Müttern zu vergleichen und frage Dich immer „Was will ICH, was brauche ICH und was macht mich und mein Kind glücklich?“ Es hilft nichts, irgendjemandem nacheifern zu wollen, dessen Leben ganz andere Voraussetzungen mitbringt (z.B. eine Haushaltshilfe/Putzfrau, arbeiten von zuhause aus, etc.). Du musst außerdem niemandem beweisen, dass Du Haushalt, Kids, Arbeit, Parnerschaft mit Leichtigkeit unter einen Hut bringst und dabei noch gut aussiehst! Wichtig als Dein Bild nach außen ist viel mehr, dass es EUCH als Familie im Inneren gut geht. Natürlich schadet es nicht, sich stets kritisch zu reflektieren und das eigene Verhalten zu hinterfragen. Aber leb Dein Leben nach Deinen bzw. Euren Zielen und Werten, nur das kann dauerhaft zufrieden und glücklich machen.

Naa, wie sieht es bei Euch aus? Kennt Ihr diese Arten von Stress auch und konntet Euch im ein oder anderen Punkt wiederfinden? Lasst es mich gern wissen! Ich freue mich auf den Austausch in den Kommentaren!

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