16 Wochen.
So lange ist es schon her. So lange ist es ERST her. Vor 16 Wochen musste ich vom Kreißbett auf den kalten OP Tisch klettern. Unter Tränen, schluchzend und am ganzen Körper zitternd. Jemand zog mir die Hose aus. Jemand anderes mein T-Shirt. Atmen sollte ich. Aber wie, wenn gerade alles über einem zusammenbricht? Ruhig atmen. Ich spürte, wie sich die Nadel in meine Wirbelsäule bohrte, dann fingen meine Beine an, unkontrolliert zu zittern. Ich sollte mich hinlegen, ein Tuch wurde aufgebaut, ich spürte Kälte und dann einen Schmerz im Unterleib „AUA“ sagte ich. Alles ging rasend schnell. „Ich spüre noch was!“, sagte ich. „Keine Zeit mehr, die Herztöne sind weg“, hörte ich jemanden sagen. Dann lief mir etwas kaltes den Arm hinauf. 3,…2,…1,…dann wurde es dunkel. Ich habe Dich bekommen und nichts davon mitgekriegt. Als ich aufwachte wollte ich Dich sehen. Unbedingt. Doch ich konnte einfach meine Augen nicht öffnen. Es ging nicht. Ich konnte sagen, dass ich Dich nackt auf meiner Brust haben will. Aber sehen konnte ich Dich nicht. Was dann folgte war kein Sprung ins kalte Wasser. Es war ein Stoß vom 10-Meter Turm ins Eismeer…

…da lag ich also. Im Aufwachraum. Warum man in einem so modernen Krankenhaus keinen, aber auch GAR keinen Wert auf Bonding legte, das ärgert mich bis heute. Halb in Narkose, halb bei Bewusstsein lag ich also da. Mit meinem Frühchen im Arm. Du warst so stark, so kräftig und wolltest leben. Das hast Du wohl den Ärzten ziemlich deutlich gemacht und so durftest Du bleiben. Bei mir. Ein Glück. Eben noch in meinem Bauch und jetzt diese 2440g warmes, kleines Menschenkind auf mir drauf. Alles, was ich konnte, war da liegen, nach Wasser zu verlangen und alle paar Minuten die gleichen Fragen zu stellen. Wie schwer ist sie? Wie sieht sie aus? Wie schwer ist sie?…

Die Tage danach fühlten sich wie eine elende Ewigkeit an. Alles was ich konnte, war auf dem Rücken liegen und heulen. Manche Kaiserschnitt-Mamis stehen noch am selben Tag nach der OP wieder auf. Ich aber hatte die schlimmsten Schmerzen meines Lebens. Ich schwöre, dass ich sonst nie so empfindlich und weinerlich war. Aber DAS hatte ich nicht erwartet. 4 Tage lang. Ich musste gefüttert werden, hatte (Gott sei Dank) einen Blasenkatheter und konnte Dich nicht einmal selbst aus diesem dusseligen Plastikbett herausnehmen, in das Dich die Schwestern immer wieder hineinlegten, wenn sie Dich zum Wickeln mitnahmen. Ich konnte Dich stillen aber sollte Dich nicht so oft anlegen. So ein Schwachsinn! Wenn ich bloß jemanden gehabt hätte, der neben mir sitzt und mich ermutigt. Mich als Frühchenmama. Der mir sagt, dass ich Dich so oft stillen darf, wie Du und ich das möchten. Der mir sagt, wie wichtig es ist, genau JETZT zumindest halb nackig mit Dir zu kuscheln um Dir all die Wärme zu geben, die Du gerade eigentlich in meinem Bauch noch erfahren würdest. Stattdessen musstest Du ab Tag 5 in ein Beleuchtungsbett. Kalt war Dir da drin. Ständig haben wir Deine Temperatur gemessen, uns ein Wärmekissen für Dich erkämpft.

Auch die Wochen danach waren ein einziger Kampf. Wochenbett? Für mich und vielleicht auch für Dich nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Ich konnte Dich lieben. Ein Glück. Wir beide haben es geschafft, hatten die eifrigsten Schutzengel der Welt. Du lebst, ich lebe. Glücklich war ich trotzdem nicht. Kein Bisschen. Geheult habe ich. Jeden Tag, stundenlang.

Heute bin ich glücklich. Ich liebe Dich, mein 5kg Bündel voll Glück! Du bist wunderschön, eine Kämpferin, wie es Dein Name schon sagt. Du lebst, ich lebe. Wir sind ein so starkes Team. Vor 16 Wochen kamst Du auf dieser Welt an. Geboren habe ich Dich nicht. Herausgeschnitten haben sie Dich. Und trotzdem, Du kleiner Frühstarter, war Deine Geburt ein absolutes Wunder!

 

1 Kommentar

Antworten

Hallo Hannah,

echt toll geschrieben! Ich hatte auch einen Kaiserschnitt. Glücklicherweise aber keinen Not-Kaiserschnitt. Ich kann aber trotzdem alles nachvollziehen. Mein kleiner lag falschrum und man wollte mich trotzdem dazu überreden ihn normal zur Welt zu bringen, da der kleine angeblich unter 3 kg wiegen würde. Zum Glück habe ich mich, als ich in den Wehen lag, dagegen entschieden. Und siehe da, der kleine hatte die Nabelschnur um den Hals gewickelt und nicht geschriehen. Und hat mit seinen 3740 Gramm 1 Kilo mehr gewogen, als die Ärzte gesagt haben. Ich hätte auch gerne eine normale Geburt gehabt. Habe mich aber dann im letzten Moment Unentschieden und auf mein Herz gehört. Zum Glück – sonst wäre es wahrscheinlich doch noch zu einem Not-Kaiserschnitt gekommen.

Liebe Grüße,
Katherina

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