Bindungsorientierte Erziehung ist kein neuer Trend. Trotzdem verstehen gerade ältere Generationen nicht ganz, was „das Ganze soll“. Wenn ich mit meiner Oma und Mathilda zusammen bin, kommt es zu Dialogen, die viele Mütter kennen werden. „Du verwöhnst die Kleine doch“, „Sie weiß schon genau, dass sie nur weinen muss damit Du sie auf den Arm nimmst“, und so weiter. Dieser Generationenkonflikt ist so nervig wie normal und ich werfe meiner Oma Ihre Sichtweise absolut nicht vor. Jeder erzieht anders. Jede Generation hat ihre eigenen „Trends“ und das ist auch okay so. Trotzdem habe ich mich nicht für den Weg meiner Oma entschieden, sondern gehe in Sachen Erziehung bzw. Beziehung einen eigenen Weg. Den, der bindungsorientierten Erziehung oder auch der bedürfnisorientierten Erziehung. Heute will ich einmal die 3 typischsten Argumente gegen diese Art der Elternschaft zusammentragen und Euch meine Sichtweise dazu erklären.

1. Bindungsorientierte Erziehung? Das ist doch viel zu aufwendig!

Stoffwindeln benutzen, oder sogar gar keine Windeln benutzen und lieber abhalten. Den ganzen Tag das Kind im Tragetuch schleppen, dauernd Stillen, das Kind im Elternbett schlafen lassen, bloß nicht eine Minute ablegen oder jemand anderem auf den Arm geben. Breifreie, windelfrei und so weiter. Es gibt viele Wege, sein Kind respektvoll zu behandeln und ihm Liebe und Verständnis entgegenzubringen. Aber weil es eben so viele Wege gibt, ist auch in der bindungsorientierten Erziehung keiner dieser Wege vorgeschrieben. Niemand MUSS sein Kind breifrei ernähren, langzeit stillen oder es im Tragetuch tragen, wenn es das vielleicht gar nicht mag. Wie bei allem im Leben gibt es nicht nur schwarz und weiß sondern auch Grautöne dazwischen. Mathilda trägt keine Stoffwindeln und momentan (sie ist jetzt fast 10 Monate alt) findet sie das Tragen in der Tragehilfe ziemlich blöd, weil sie lieber nach vorne schauen und alles entdecken will. Sie bekommt sowohl breifreie Kost (Fingerfood) als auch Brei. Je nach dem, was sie gerade lieber mag. Wir gehen da eher einen goldenen Mittelweg, als das eine oder andere Extrem zu praktizieren und somit kann ich nur sagen: es ist NICHT zu aufwendig, wenn man den für sich bequemsten Weg erst einmal herausgefunden hat und sich nicht so einen Druck macht, nach einer bestimmten Weise zu „er“ziehen.

bindungsorientierte Erziehung

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2. Bindungsorientierte Erziehung bedeutet völlige Selbstaufgabe

Nein. Ganz im Gegenteil lässt bindungsorientierte Erziehung sehr viel Raum, sich selbst neu zu entdecken! Betrachten wir einmal die „typischen Teile“ der bindungsorientierten Erziehung: Stillen, Tragen, Familienbett, breifreie Kost. Stillen ist ultra bequem. Was würde ich darum geben, Mathilda immer noch stillen zu können statt diese Fläschchen anzurühren! Das Kind nachts im Familienbett einfach zu sich zu ziehen und zu stillen, bietet nur Vorteile. So wurde bereits herausgefunden, dass Mütter dadurch ein ähnliches Schlafmuster haben als wenn sie durchschlafen würden, da sich die Tief- und Leichtschlafphasen von Mutter und Baby aufeinander abstimmen, wenn das Baby körpernah schläft und nachts gestillt wird. Herrlich! Glaubt mir, nachts aufstehen, abpumpen, Füttern, später dann Fläschchen anrühren…das ist viel mehr Selbstaufgabe und „Arbeit“ als Stillen und nebeneinander schlafen! Breifreie Kost ist herrlich. Ich lege Mathilda einfach alles auf ihr Tablett, was sie essen darf und sie sucht sich heraus, was sie möchte. Ich gebe zu, dass es mehr Sauerei macht, als Brei zu füttern. Allerdings muss so niemand das Baby füttern sondern man sitzt gemeinsam am Tisch und jeder hat Zeit, in Ruhe zu essen. Das Thema Tragen ist etwas schwieriger. Manche Mütter haben einen so schwachen Rücken, dass sie schnell Rückenschmerzen bekommen oder das Baby findet getragen werden einfach blöd (das ist zugegeben sehr selten der Fall und ich rate in jedem Fall immer zu einer professionellen Trageberatung!). Dann greift wieder Punkt 1. : es ist alles kein MUSS. Dennoch fand ich Tragen von Anfang an tausend Mal praktischer als den Kinderwagen. Die Nähe tat Mathilda und mir gut und im Winter musste ich mir nie Sorgen machen, ob sie es warm genug hat. Für mich war also auch das Tragen keine Selbstaufgabe sondern absolute Freiheit, meine beiden Hände frei zu haben, sofort mobil zu sein und trotzdem jederzeit mein Baby dicht bei mir zu haben.

bindungsorientierte Erziehung

3. Bindungsorientierte Erziehung – Da wird das Kind total verwöhnt!

Weder bedürfnisorientierte noch bindungsorientierte Erziehung bedeutet, dass das Kind alles bekommt, was es verlangt. Viel mehr lernt man, zu unterscheiden, was ein Wunsch und was ein Bedürfnis ist. Diese Unterscheidung macht meiner Ansicht nach erst ab einem bestimmten Alter Sinn, weshalb ich erst später erneut darauf eingehen werde. Anfangs haben Babys nur Bedürfnisse. Sie können nichts „mit Absicht“ machen sondern äußern durch Schreien ein Bedürfnis. Sie haben Hunger, Schmerzen, wollen Nähe, Trost, Geborgenheit und Wärme. Diese Bedürfnisse gilt es zu befriedigen. Für mich stand außer Frage, dass ich mein Baby niemals schreien lassen werde. Mathilda hat teilweise trotz tragen, singen, trösten einfach weiter geschrien. Aber es ist ein Unterschied, ob das Baby alleine schreit oder dabei gehalten wird. Ich selbst möchte getröstet werden, wenn ich traurig bin, möchte trinken, wenn ich durstig bin und möchte Wärme und Geborgenheit, wenn mir gerade alles zu viel wird. Warum soll ich das alles meinem Baby verwehren?

bindungsorientierte Erziehung

Verwöhnen geht erst, wenn Kinder Dinge „kalkulieren“ können. Wenn sie also willentlich Wünsche zum Ausdruck bringen können. Dann gilt es, zwischen Wunsch und Bedürfnis zu unterscheiden und mit „Er“ziehung zu beginnen. Denn auch bedürfnisorientierte Erziehung bedeutet nicht, dass das Kind alles bekommt, was es möchte. Aber dazu wie gesagt später einmal mehr 😉

Was haltet Ihr von „Er“ziehungs-Formen wie bedüfnis- oder bindungsorientierte Erziehung? Gibt es für Euch auch den goldenen Mittelweg? Schreibt mir gern in den Kommentaren, ich bin gespannt auf Eure Sichtweise!

18 comments

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Liebe Hannah,
sooo soo ein toller Beitrag.
Ich muss mich auch ständig rechtfertigen 🙈 obwohl es das Leben sogar einfacher macht. Und vorallem: KINDGERECHT!

❤️

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Hey Julia,
vielen Dank! Eigentlich schade, dass man in so eine Rechtfertigungs-Schleife gezwungen wird. Aber mit den passenden Gegenargumenten, ist es oft nur halb so schlimm, finde ich.
Ganz liebe Grüße

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Hallöchen 🤗
Bin voll bei dir und ganz deiner Meinung!! Ich rolle ab ubd zu auch mal meine Augen, wenn Aussagen wie “du lernst ihm ja mit Essen zu spielen“ oder “willst du dein kind wenn es größer ist auch noch so tragen? Es wird ja größer und schwerer?“ 🙄🙄🙄
Aber naja, was solls 🙈

Gnaz liebe Grüße aus Österreich! 😊
Carina 🌻

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Huhu Carina,

klar tragen wir unsere Kinder auch noch mit 25kg im Tuch und sie werden auch im Elternbett schlafen, bis sie 22 sind 😉 Alles hat seine Zeit sage ich dazu nur 🙂
Ganz liebe Grüße nach Österreich!

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Hallo ,
Ich bin ganz eurer Meinung. Ich musste mir auch oft anhören, das ich mein Sohn verwöhne wenn ich ihn im Tragetuch trage oder das er in unserem Bett mit schläft usw. Nun ist er 3 Jahre,und die Zeit ist lang vorbei. Außer das er immer noch manchmal zu uns ins Bett gricht. Ich bin froh das ich ihm die Nähe gegeben habe die er brauchte. Man sollte die zeit genissen, sie werden so schnell groß. Meine Tochter zb möchte nicht im Tuch getragen werden, aber ich versuche ihr trotzen die Nähe zu geben die sie braucht. Zumindest schläft sie gerne bei uns im Bett und ich stille und kuschel gerne mit ihr.

Liebe Grüße
Vera

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Liebe Vera,
Du hast so recht! Ich merke auch gerade, wie sehr ich die Tragezeit vermisse weil Mathilda in der Trage nicht mehr schlafen kann und daher auch nur kurzzeitig getragen werden möchte. Sie werden so schnell groß!
Liebe Grüße

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Hallo,
ich kann mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen! Zwar wurden wir weitestgehend mit den oben genannten Meinungen der Oma-/Elterngeneration verschont, aber ganz nachvollziehen konnten es manche wohl nicht.
Bei Nummer zwei wurde dann weniger nachgefragt, bei Nummer drei war alles schon normal.
Insofern kann jeder was neues dazulernen. Wer weiß wie unsere Kinder ihre später mal ihre eigenen Babys „erziehen“. 😉

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Hallo Annika,

ja, das stimmt! Ich hoffe einfach, wir können mit unserer Liebe und „Erziehung“ an unsere Kleinen vieles weitergeben, sodass auch sie später mal liebevolle und selbstbewusste Eltern werden 🙂

Liebe Grüße

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Vieles was hier beschrieben wird haben meine Eltern bei mir und meinem Bruder auch so gemacht. Das war allerdings Instinkt und besaß noch keinen hippen Namen. Auf den Instinkt hören nicht so viel lesen. Instinkt lässt uns seit zwei Jahrtausenden überleben.

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Super! Du hast Recht! Aber ich glaube, manches müssen wir Menschen einfach mit Namen benennen, damit wir es einordnen können. Im Prinzip ist es aber wie Du sagt der natürliche Instinkt, der leider – so meine Beobachtung – immer mehr verloren geht weil wir von Ratgebern in jedem Lebensbereich geradezu erschlagen werden.
Liebe Grüße

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Hallo ❤️ Ach du sprichst mir aus der Seele… Danke für diesen tollen Beitrag und ich hoffe bald mehr darüber zu lesen. Mein 2 jähriger wird im Familienbett gestillt und auf unsere Bedürfnisse eingegangen (seine und meine).
Ich wurde schon öfter gefragt, wann ich endlich abstille, dass der kleine mal woanders schlafen kann und er nicht mehr abhängig ist von mir, da könnte ich 🤮
Nun wünsche ich einen schönen Tag und ganz sonnige Grüße aus der Schweiz 🇨🇭

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Hey,
Du machst das großartig! Wenn ich könnte, würde ich auch immernoch stillen. Finde es ganz toll, so lange zu stillen und bin der Meinung, dass Kinder das ganz gut selbst mekren, wenn es Zeit ist, loszulassen. Mach weiter so und lass Dich nicht verunsichern!
Ganz liebe Grüße in die Schweiz 😉

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Ich durfte mir auch ganz viel anhören. Was ich schade finde, denn tatsächlich gibt es Mütter die sich von solchen „Kritikern“ verunsichern lassen. Ich denke es ist richtig auf seine Instinkte zu vertrauen. Mutter Natur hat sich schon was dabei gedacht, dass Baby Geschrei in der Regel instinktiv von uns gestillt werden will.
Wenn ich mir meinen Sohn (heute 2 Jahre) ansehe, fühle ich mich nur bestätigt. Er hat so ein gutes Selbstvertrauen und auch Vertrauen in uns Eltern…. Das ist meiner Meinung nach das Resultat einer verständnisvollen, bedürfnisorientierten Erziehung:)

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Das sehe ich genau so! Und wie schön, dass Du das Ergebnis dieser instinktiven Bedürfnisbefriedigung heute schon erkennen kannst.
Alles Liebe für Euch!

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Hey,
Ich finde das ist bedürfnisorientiert und sollte ganz normal sein. Ich bin immer wieder erschrocken, wenn Eltern nur an ihrem Handy sind und die Zeichen ihres Kindes nicht verstehen, weil sie nicht voll bei ihrem Kind sind,. Anstatt ihr Kind zu beibachten, mit ihm zu sprechen, sind sie nur mit irreren Themen und Probleme beschäftigt. Viele Leben ihr schnelles Leben einfach weiter, anstatt sich vom Kind bremsen zu lassen.
Mit dem Kind im Ehebett würde ich evtl anders machen, aber wenn das Kind es braucht, würde ich es nicht zwingen in seinem Bett zu schlafen. Und manchmal sind es neue Entwicklungen, wo es das Kind braucht.
Schön, wenn Kinder das erleben dürfen.
Liebe Grüße
Mell

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Liebe Mell,
danke für Deine Meinung. Ich sehe das in einigen Punkten ähnlich, muss mir jedoch auch an die eigene Nase fassen und das Handy öfter mal weglegen.
Lieben Gruß

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Ganz wunderbarer Artikel! Wir haben bei unserer Großen vieles intuitiv gemacht und vieles davon haben wir jetzt bei unserem Sohn noch “verfeinert“. 😉 trotzdem habe ich auch gelernt, dass man den Kindern viel mehr zutrauen muss! Unsere Große hat lange bei mir im Bett geschlafen und gesagt, dass sie sich nicht traut, im eigenen Bett im Kinderzimmer zu schlafen. Das war bis zur Geburt des Bruders sehr ok für mich. Als wir sie dann doch endlich ausquartieren mussten, damit die Nächte etwas ruhiger wurden, ist sie tatsächlich nicht ein einziges Mal nachts zurück gekommen. Wenn was ist, dann ruft sie nachts und ich komme. Das passiert aber nicht sehr häufig. 🙂

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Hallo,
Ich gebe dir soooo recht mit dem was du schreibst!
Meine kleine ist jetzt 1 1/2 und schläft bei uns im Bett, isst (dank breifrei) eigentlich alles und konnte nur in der trage richtig zur Ruhe kommen und zeitweilich auch nur dort schlafen! Und ich habe nichts von alle dem bereut und würde es immer wieder so machen!
Im großen und ganzen hatten wir wenig Diskussionen mit der Familie außer bei dem Thema das Kind „schreien“zu lassen! Da kamen dann so Sätze wie:“ das stärkt die Lungen“ oder „ sie muss lernen das sie nicht immer ihren Willen bekommt“
Nachdem ich mir dann mal die Mühe gemacht habe und im Internet recherchiert habe was das „schreien lassen“ mit so kleinen Zwergen anrichtet und meiner Familie mal mitgeteilt habe, wurde es dann stumm toleriert!

LG Sabrina

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