Mehr als 6 Monate sind vergangen, seit wir Eltern wurden. Doch dies hier soll kein gewöhnlicher Life-Update Blogpost werden, indem ich Euch von Mathildas und unserer Entwicklung berichte. Viel mehr möchte ich Euch erzählen, was es bedeutet, Eltern zu sein. Mit welchen Herausforderungen man kämpft und welche Bereicherung es ist.

Elternsein – was bedeutet das eigentlich?

Mein Freund und ich erwischen uns in letzter Zeit immer häufiger dabei, wie wir sagen, dass wir gar nicht mehr wissen, wie es ohne Mathilda war. Irgendwie ist das Elternsein schon so normal geworden, so selbstverständlich, dass wir es uns absolut nicht mehr anders vorstellen können. Da ist plötzlich so ein Wesen, dass Du so sehr liebst, dass Du ihm ausnahmslos ALLES unterordnest. Dein kompletter Tagesablauf, Freizeitgestaltung, Urlaubsplanung und auch solch banale Dinge wie Mahlzeiten, Duschen, Haushalt,…alles wird nun irgendwie fremdbestimmt und richtet sich nach dem neuen Familienmitglied. Fremdbestimmt klingt negativ. Ja, manchmal ist es auch wirklich richtig ätzend, nicht selbst bestimmen zu können, wann und wie lange man schläft, wann und wie gemütlich man sein Essen zu sich nimmt, wann man endlich mal seine Ruhe hat (ich kann verraten: das ist NIE der Fall, haha :-)). Aber trotz dieser ganzen Einschränkungen und Anpassungen empfindet man vieles davon nur halb so schlimm, weil man sich im nächsten Moment schonwieder total über das herzliche Lachen seines Babys freut. Oder man schmilzt nur so dahin, wenn die Kleine einem ganz fasziniert und beinahe zärtlich das eigene Gesicht abtastet. Es sind Momente, die die eigenen Mama- und Papa-Akkus wieder aufladen und die einen vergessen lassen, dass man gerade sein ganzes Leben nach einem wenige Monate alten Menschlein ausrichtet.

Herausforderungen im Eltern-Alltag

Genauso, wie es für uns normal geworden ist, Eltern zu sein, ist es normal, diese unfassbare Verantwortung zu tragen. Wenn man sich das jeden Tag bewusst machen würde, wäre man bestimmt ziemlich unentspannt. Denn das Leben dieses Kindes liegt zumindest teilweise in Deinen Händen. Du wirst dieses Menschlein großziehen, bestimmst was es anzieht, isst, unternimmt. Du bist zuständig für körperliches und seelisches Wohl, für Bildung, Erziehung und eine möglichst unbeschwerte Kindheit. Wahnsinn. Wenn man mal so drüber nachdenkt, ist das wirklich ganz schön viel Verantwortung. Aber genau deshalb denken wir wohl einfach nicht jeden Tag darüber nach. Weil es irgendwie schon normal geworden ist, diese Verantwortung zu tragen.

Die wirklichen Herausforderungen stecken eher in den kleinen Dingen. Planung und Absprachen sind das A und O als Familie. Nur mit Absprachen, Kompromissen und Planung schafft man es, dass nicht nur das Baby sondern auch die Eltern glücklich sind. Denn Eltern werden und Paar bleiben ist auch mit Arbeit verbunden. Bei uns klappt das glücklicherweise sehr gut. Dadurch, dass Mathilda und ihr Papa ein super Team sind, habe auch ich wieder mehr Freiräume. Ich kann beispielsweise mehrmals pro Woche zum Sport gehen und so ein Stück meines „alten Lebens“ beibehalten.

Alles wird anders…

Diese beinahe bedrohliche Aussage aller Leute, die bereits Kinder haben, hat mich schon immer irgendwie genervt. Ja, es stimmt. Vieles wird anders, aber eben nicht alles. So sind wir eben nicht nur Mama und Papa sondern auch immer noch ein Paar. Wir sind immer noch Hannah und Matthias und unsere Persönlichkeiten haben sich kein Bisschen verändert. Ich liebe es immer noch, zum Sport zu gehen, zu reisen, doofe Klatschzeitschriften durchzublättern und Trash TV zu schauen (nur wenn meine aktuelle Phase im Studium so viel „Nebenbeibeschäftigung“ zulässt). Meine Identität, meine Persönlichkeit, mein ICH wurde nun einfach durch eine neue Rolle ergänzt. Jetzt bin ich eben auch Mama, aber nicht NUR Mama. Ich finde auch, dass man sich diese ursprüngliche Identität erhalten sollte.

Die richtigen Fragen stellen

Der Alltag als Mami eines 6 Monate alten Babys ist oftmals sehr monoton. Man steht auf, versorgt das Baby, schmeißt den Haushalt. Zwischendurch geht man vielleicht zum Rückbildungs- oder Fabelkurs, zum Babyschwimmen oder trifft sich auf einen Kaffee. Wenn der Partner am Abend nach Hause kommt und von der Arbeit berichtet, endet es häufig mit der Frage: „Und, wie war Dein Tag so?“ Das ist zwar schon eine super Kommunikationsgrundlage – immerhin könnte er sich ja auch gar nicht für einen interessieren – aber dennoch verbesserungswürdig. Denn was soll man schon sagen…? „Mein Tag war wie gestern, und wie vorgestern…moment, welcher Tag ist heute eigentlich?“ Stattdessen ist es besser, konkrete Fragen zu stellen. Zum Beispiel: „Wann hast Du Dich heute einsam/glücklich/gestresst gefühlt?“ oder „Zu welchem Zeitpunkt heute, hast Du Dir gewünscht, dass etwas anders läuft.“ Mit konkreten Fragen regt man eher einen Austausch an. So kann „Mama“ eben auch etwas berichten und muss nicht jeden Tag ihren Erlebnisbericht aufs Windeln wechseln und Haushalt schmeißen beschränken. Kommunikation hängt eben oft von den richtigen Fragen ab.

Sich Freiheiten geben

Am aller Wichtigsten finde ich, dass man trotz Mamasein und Papasein nicht vergisst, was einen erfüllt. Es ist ohne Frage das größte Glück der Erde, ein gesundes Kind haben zu dürfen. Ich möchte auch gar nicht in Frage stellen, dass allein das Elternsein, das tollste und beste und erfüllendste Gefühl der Welt sein kann. Aber daneben gibt es manchmal Kleinigkeiten, die einen eben auch glücklich machen. Ob das nun ein Abend in der Disco, eine Zocker-Runde mit den Kumpels, die 2 Stunden im Fitnessstudio oder die Beauty Behandlung bei der Kosmetikerin ist. Ganz individuell hat jeder abseits des Elternseins seine kleinen Freuden, die es zu bewahren gilt. Die Herausforderung als Paar besteht hier darin, sich diese Freiheiten nach einigen Monaten des „Ankommens“ als Familie wieder gegenseitig zu gewähren. Natürlich ist dies eine besondere Herausforderung, wenn man längere Zeit voll stillt und Papa somit nur wenige Stunden die Betreuung übernehmen kann und Mama immer irgendwie „auf Abruf“ ist. Aber auch das lässt sich mit guter Planung regeln.

Ich finde es ganz wichtig, dass man auch als Mama und Papa mal ein paar Minuten durchatmen kann und etwas nur für sich tut. Nicht ohne Grund, gehen viele Beziehungen in die Brüche weil man als Eltern einfach Gefahr läuft, sich selbst so sehr hinten anzustellen, dass man sich verliert. Aber das muss nicht sein. Ich könnte glücklicher kaum sein und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir als Paar und Eltern auch weiterhin so ein super Team sind und dass unsere Ohana (hawaiianisch für Familie) immer fester zusammenwächst.

Wie ist das bei Euch? Meistert ihr den Alltag als Familie problemlos oder seid Ihr auch noch dabei, in Eure Rollen hineinzuwachsen? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, ich freue mich über Euer Feedback 😉

 

4 comments

Antworten

Hey Hannah

Toller Bericht. Unser Sohn ist gerade 2 Wochen alt und mein Mann und ich stecken schon voll in der Krise. Zunächst hatte ich nach ca. 4 Tagen den berüchtigten Babyblues, der ein paar Tage andauerte. Ich war aber überglücklich, dass mein Mann bei der Geburt und in den 4 Tagen danach so ein richtig stolzer Papa war. Nur leider hielt das nicht lange an und jetzt sagt er sogar, dass er keine Vatergefühle mehr für den Kleinen habe und ihm im Moment sogar die Haustiere wichtiger sind als unser Sohn. Natürlich ist er selbst genauso schockiert über diese Gefühle wie ich. Aber er kann sie im Moment nicht ändern. Natürlich kümmere deshalb vor allem ich mich um den Kleinen. Gleichzeitig versuche ich, ihm möglichst viele Freiheiten zu lassen, z.B. auf eine Biketour zu gehen, damit er sich nicht zu sehr eingeengt fühlt vom Kind.

Ich versuche ihn zu unterstützen, ihm unseren Sohn näher zu bringen. Doch er lässt es auch irgendwie gar nicht zu. Ich kann mir kaum vorstellen, dass unsere kleine Familie so funktionieren kann und hätte auch nie gedacht, dass uns so etwas passiert, da wir beide uns doch dieses Kind gewünscht haben.
Ich habe nun richtig Angst, dass die Beziehung nach all den Jahren in die Brüche geht, ohne dass wir überhaupt die Chance hatten, Mutter und Vater zu sein. Ich hoffe sehr, dass ich in ein paar Monaten diesen Bericht nochmal lesen kann mit dem Gedanken: Läuft bei uns genauso gut.

Tut mir leid, dass ich mich jetzt hier so ausgekotzt habe. War wohl aber nötig und dein Text leuchtet mir doch direkt ins Herz, weil er mir zeigt, wie toll es sein kann. Vor allem die Aussage, dass dein Partner und die Kleine so ein tolles Team sind, berührt mich sehr

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Liebe Nicola,

vielen Dank, dass Du Deine Gedanken hier so offen mit mir und auch mit anderen, die das hier lesen, teilst! So etwas auszusprechen/aufzuschreiben…dazu gehört viel Mut!
Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie mies sich das für Dich/Euch anfühlt. Ohne Dich näher zu kennen und ohne Dir zu nahe treten zu wollen, möchte ich Dir dennoch den Tipp geben, Eure Situation einmal mit einer fachkundigen Person zu besprechen. ProFamilia hat hierfür ganz gute Angebote aber auch eine Therapie (das ist nichts Schlimmes und man ist auch nicht „verrückt“, wenn man sich psychologischen Rat sucht) könnte in Eurem Fall eine Besserung bringen und die ganze Situation etwas entschärfen.

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft und dass Ihr eine echte Chance bekommt, als Familie zusammenzuwachsen!

Alles Liebe

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Hallo,

ich bin über instagram auf deinen Blog gestoßen und habe eifrig einige Einträge gelesen. Du schreibst wahnsinnig toll. Danke dafür. Normalerweise hinterlasse ich nie Kommentare, aber ich wollte das nun los werden. Dass es genau unter diesem Blogeintrag ist, ist mehr oder weniger Zufall. Dennoch hatten auch wir als paar am Anfang Schwierigkeiten, ich hatte das Gefühl, dass mein Mann sich nicht wirklich kümmert und habe es fast schon bereut, gerade mit ihm ein baby zu bekommen. Heute, fast 12 Wochen nach der Geburt kann ich völlig positiv sein und bin überglücklich, dass es nun doch super funktioniert. Viele Gespräche haben uns gerettet. Vor allem auch das Bewusstsein, dass unsere Ehe sonst daran scheitern würde, hat uns sehr geholfen. Und die Akzeptanz, dass er mit 24 (6 Jahre jünger als ich) vielleicht einfach ein wenig länger als ich gebraucht habe, um in die Rolle des Vaters zu wachsen.

Danke für die tollen Beiträge ♡

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Hey,

vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich wahnsinnig, dass Du gerne meine Beiträge liest und daraus etwas für Dich schöpfen kannst. Es ist großartig, dass Ihr offen miteinander sprechen könnt. Denn auch, wenn es abgedroschen klingt: Kommunikation ist einfach in einer Beziehung das aller Wichtigste, gerade bei Konflikten oder schwierigen Phasen.
Alles Liebe für Euch und Eure Familie

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