Wie fange ich am besten an, unsere Stillgeschichte zu erzählen, ohne, dass dieser Post hier unendlich lang wird…? Beginnen wir im Krankenhaus. Die Geschichte um meinen Notkaiserschnitt und das Drumherum kennt Ihr bereits, deshalb fasse ich mich kurz. Nachdem ich im Aufwachraum langsam zu Bewusstsein kam, verlangte ich sofort, dass meine Kleine mir nackt auf die Brust gelegt wird. Im Kassler Klinikum hatte man scheinbar noch nichts von Bonding gehört, welches nach einem Kaiserschnitt umso wichtiger für Mutter und Kind ist. Mein Freund und ein Pfleger zogen mich aus und so konnte die Kleine direkt auf mir liegen. Ich erinnere mich, dass sie sofort nach der Brust suchte. So ging das auch weiter, als ich wieder im Kraißsaal war und dort war ich dann wach genug, um Mathilda zu helfen. Sie saugte sofort wie ein Weltmeister. Mann, war ich stolz.

Ich wusste, dass Stillen am Anfang wehtut. Ich wusste, dass man die Zähne zusammenbeißen muss. Beim Ansaugschmerz, wenn die Brustwarzen wund und blutig werden, wenn die Kleine mal nicht richtig ansaugt und es daher wehtut. Ich wusst NICHT, dass das Stillen auch zu so einem Drama ausarten kann wie bei uns.

Nach vier Tagen, in denen mein Baby fast nur auf und direkt neben mir lag, musste Mathilda in ein Beleuchtungsbett (Phototherapie), indem sie mit blauem Licht bestrahlt wurde, damit sie ihre Gelbsucht bekämpfen kann. Dort durfte ich sie nicht herausnehmen. Nichtmal zum Trösten, geschweige denn zum Stillen. Denn dann würde zu viel Zeit unter der Lampe verloren gehen und die Behandlung sich länger hinauszögern. Heute würde ich mich gegen die Schwestern durchsetzen und mein Kind auf jeden Fall stillen. Doch als frisch gebackene Mami, noch geschwächt vom Notkaiserschnitt, unsicher, was das Richtige ist, folgte ich den Anweisungen, pumpte meine Milch ab und gab Mathilda die Flasche.

Nach 13 Tagen durften wir das Krankenhaus endlich verlassen. Meine Hebamme zuhause riet mir, aufgrund von Mathildas geringem Gewicht und weil sie von der Gelbsucht noch so schwach war, ihr weiterhin die Flasche zu geben, um es ihr so leicht wie möglich zu machen. Ich folgte auch diesem Rat. Jedoch gab ich Mathilda nach wenigen Tagen reiner Flaschenernährung (immer mit meiner abgepumpten Muttermilch) einmal pro Tag die Brust zum „Üben“ damit sie nicht verlernt, an der Brust zu trinken. Bis die Kleine 5 oder 6 Wochen alt war lief es prima. Sie bekam nur noch nachts die Flasche und ansonsten immer die Brust und sie trank ganz toll. Doch dann fingen plötzlich die Probleme an. Mathilda begann, bei jeder Mahlzeit die Brust anzuschreien. Sie saugte, schluckte und fing an herzzerreißend zu brüllen als hätte man ihr wehgetan oder ihr etwas weggenommen.

Meine erste Anlaufstelle war der Kinderarzt. Ich dachte, vielleicht hat sie Schluckbeschwerden oder Halsschmerzen weil sie sofort nach dem ersten Schlucken schrie. Der Kinderarzt meinte, meine Tochter „hat einfach einen Knall“ und ich solle warten bis sie so richtig Hunger hat, dann würde sie die Brust schon nehmen. Sehr einfühlsam. NICHT! Ich suchte weiter nach einer Lösung. Laut meiner Hebamme gibt es keine Saugverwirrung. Warum konnte Mathilda die ganze Zeit so super mit Flaschensauger und Brust im Wechsel umgehen und jetzt auf einmal nicht mehr? Ich ging zur Stillberatung und meine Stillberaterin von LALecheLiga e.V. war wirklich ganz toll.

Doch auch die Stillberatung half nicht weiter. So langsam verwzweifelte ich. Ich machte alles richtig, wendete jeden Trick an, gab jedem Tipp eine Chence, doch nichts half. Mathilda verweigerte die Brust. Ich ging noch zu einer Fraunärztin, die ebenfalls Stillberaterin war. Ich ließ Mathilda logopädisch untersuchen und osteopathisch behandeln. Nichts half. Dann versuchten wir es mit Stillhütchen. Ich war begeistert. Zum ersten Mal trank Mathilda wieder ganz entspannt und ruhig und ausdauernd an der Brust ohne zu weinen. Doch irgendwie muss es doch auch ohne gehen. Und es muss doch einen Grund haben, dass sie so große Probleme hat…

Wir fuhren stundenlang über die Autobahn. Nach Heidelberg. Zu einer Allgemeinmedizinerin, die ebenfalls Stillberaterin war. Diese untersuchte Mathilda ganz gründlich und stellte ein sehr straffes Zungenbändchen fest. Da Mathilda zu diesem Zeitpunkt aber relativ gut mit Stillhütchen an der Brust trank, meinte Sie, man müsse das Zungenbändchen nicht zwingend durchtrennen lassen, es wäre jedoch einen Versuch wert, falls sich die Situation wieder verschlechtert. Drei Wochen klappte das. Doch die Mahlzeiten zogen sich immer mehr in die Länge. Bis zu einer Stunde stillte ich und nach den drei Wochen stellten wir fest, dass die Kleine nur 100g zugenommen hatte. Viel zu wenig. Sie bekam also viel zu wenig Milch und somit waren die Stillhütchen auch keine Lösung. Wir entschlossen uns, als aller letzten Versuch, doch noch das Zungenbändchen durchtrennen zu lassen und fuhren dafür extra wieder hunderte Kilometer zu einem Spezialisten.

Ich kann die Geschichte hier ein wenig abkürzen. Auch das half alles nichts. Nach 15 Wochen Kampf an der Brust entschied ich mich also schweren Herzens, Mathilda fortan nur noch die Flasche mit meiner abgepumpten Muttermilch zu geben. Ganz aufgeben konnte ich doch nicht, und so legte ich Mathilda trotzdem weiterhin ab und zu an, wenn es auch nur zum Nuckeln und nicht zum Trinken war. Mein Mamaherz blutete, denn ich hatte alles gegeben, um ihr das Trinken an der Brust zu ermöglichen, doch nichts half. Obwohl ich so, so sehr ganz normal stillen wollte, musste ich nun einsehen, dass es für uns beide einfach nur Stress bedeutete.

Dann Begann der Kampf um die Milch. Meine Milch wurde plötzlich immer weniger und weniger. Ich vermutete zuerst, dass ich nicht genug Kalorien zu mir nahm und steigerte sofort meine Nahrungsmenge und trank 2-3 Liter Fencheltee. Dann vermutete ich meine Schilddrüse und kämpfte bei meinem Arzt darum, mein Medikament wieder nehmen zu dürfen (er wollte unbedingt einen Auslassversuch der Medikamente starten…trotz meiner Bedenken ausgerechnet in der Stillzeit). Doch die Milch wurde trotzdem nicht mehr. Ich entschloss (in Absprache mit einer Frauenärztin), ein Medikament zu nehmen, welches hochdosiert die Milchproduktion steigert. Ich möchte hier keine Werbung für dieses verschreibungspflichtige Medikament machen aber wenn ihr zu wenig Milch habt, dann googlet das Mal und fragt Euren Frauenarzt, bevor Ihr wegen zu wenig Milch das Stillen aufgebt. Es KANN wirklich helfen, wenn alle anderen Möglichkeiten (ganz, ganz häufiges Anlegen bzw. Pumpen, etc.) bereits ausgeschöpft sind.

Bis Ende Dezember konnte ich mit dem Medikament und mit alle zwei Stunden pumpen meine Milchmenge gerade so aufrecht erhalten, dass es für Mathilda reichte. Schon die Wochen vorher begann jedoch meine Schwester, die ihr 9 Monate altes Baby ebenfalls noch stillt, für mich abzupumpen, damit Mathilda ausschließlich Muttermilch bekommt. Schon im Januar musste ich immer mehr Milch von meiner Schwester zufüttern weil ich selbst trotz Medikamenten kaum noch welche hatte. Ich pumpte wie eine Wahnsinnige und mein gesamter Tag bestand nur aus Pumpen, Füttern, Pumpen, Füttern usw. immer in der Sorge, wie viel Milch wohl beim Nächsten Mal rauskommt. Ich kann Euch sagen, psychisch ist das eine riesen Belastung!

Natürlich hätte ich Mathilda einfach Flaschennahrung geben können. Es wäre ein Leichtes gewesen, einfach Pre-Nahrung zu füttern und mir keinen Kopf zu machen. Aber Muttermilch ist einfach das Beste und welche Mutter will für ihr Kind nicht nur das Beste…?  Ich bin kein Mensch, der schnell aufgibt. Ich kämpfe für das was ich will und für die, die ich liebe. Dir Vorstellung, dass mein Baby bald Fertigmilch bekommen muss, war für mich absolut niederschmetternd. Doch der Kamof um die Milch hatte mich mittlerweile wirklich zu einem nervlichen Wrack gemacht. All die Zeit, die für stundenlanges Pumpen draufging und doch nie genug Milch herauszubekommen. All diese Stunden hätte ich viel besser zum Spielen und Kuscheln mit meinem Baby nutzen können. Und trotzdem weinte ich, als ich den Entschluss fasste, das Pumpen endgültig aufzugeben.

Meine liebe Schwester pumpte weiter. Für diese Hilfe, hat sie wirklich einen Orden verdient. Wer hat schon das Glück, eine so verlässliche „Amme“ als Schwester zu haben 🙂 So schafften wir es, dass Mathilda bis sie fünf Monate alt war, ausschließlich Muttermilch bekam. Danach fütterte ich Pre-Nahrung zu und meine Schwester pumpte noch zwei weitere Wochen für mich ab, damit Mathilda wenigstens noch 1-2 Flaschen Muttermilch pro Tag bekommen konnte. Nach dieser Zeit stellte ich komplett auf Pre-Milch um.

Heute bekommt Mathilda ausschließlich Pre-Nahrung. Unsere Wahl fiel auf ein Produkt ohne Palmöl, da ich finde, dass man diese krebserregende Zutat wirklich nicht schon einem Säugling einflößen muss. Außerdem besteht unsere Pre-Nahrung auf Ziegenmilchbasis, da diese der Muttermilch weitaus ähnlicher ist (keine Milch ist der Muttermilch unähnlicher als Kuhmilch). Besser wäre noch Pre-Nahrung auf Basis von Kamelmilch oder Eselsmilch, haha 🙂 Aber so etwas gibt es leider noch nicht zu kaufen.

Endlich bedeuten die Flaschenmahlzeiten für mich und Mathilda keinen Stress mehr. Ich bereue trotzdem nicht, monatelang ums Stillen gekämpft zu haben. Ich kann verstehen, dass andere Mütter viel früher aufgeben und den einfacheren Weg wählen aber so bin ich einfach nicht. Ich muss mir jetzt nicht vorwerfen, nicht wirklich ALLES gegeben zu haben. Trotzdem bin ich traurig. Aber manchmal muss man einfach akzeptieren, dass Dinge anders passieren, als man sie sich gewünscht hat und so langsam bin ich auf dem besten Weg dorthin.

Wie war das bei Euch mit dem Stillen? Hattet Ihr das Glück, dass es sofort reibungslos geklappt hat oder gab es Schwierigkeiten? Schreibt mir gern in den Kommentaren, ich freue mich!

 

5 comments

Antworten

Liebe hannah, deine Geschichte berührt mich wirklich sehr. Auch ich kämpfe momentan um jeden tropfen muttermilch, da meine Milch scheinbar nicht nahrhaft genug ist für unsere kleine Ella. Sie nimmt leider nur sehr zögerlich zu. Sie ist zwar mit ihren 4,5 Monaten schon sehr groß mit 67 cm aber doch sehr leicht mit gerade so 5800g. Und so flossen auch bei mir einige Tränen und ich pumpte und stillte wie ne bekloppte…..Aber nichts half. So musste ich nach drei Monaten voll Stillen anfangen ihr pre Nahrung zu geben. Und immer noch quält es mich unendlich.
Man fühlt sich einfach total hilflos und auch ein bisschen als würde man versagen.
Ella wirkte nie unzufrieden aber das Gewicht sprach leider immer für sich.
Ich bewundere dich sehr für deinen Kampf stillen zu dürfen und wirklich großen Respekt an deine Schwester

Antworten

Liebe Jana,

ich kann so gut nachvollziehen, wie es Dir damit geht. Und da hilft oft auch nicht, dass alle sagen „aber mit Pre-Nahrung werden die Kleinen auch groß. Es ist wie Du sagst, irgendwie fühlt es sich auch ein Stück weit wie „versagen“ an. Aber ich denke wir wissen beide, dass wir keine Schuld daran haben. Also Kopf hoch und nach vorne schauen.
Wunsche Dir alles Liebe

Antworten

Super gekämpft, du kannst sehr stolz auf dich sein!
Danke für deinen Artikel 🙂

Antworten

Ich danke Dir so sehr für deinen so ehrlichen und hilfreichen Bericht 😄 Jeder sagt einem wie toll das Stillen ist aber keiner was Alles auf einen zu kommen kann. Wir hatten am Anfang auch das Problem mit dem Zungenbändchen und ich konnte nur mit Stillhütchen stillen. Nach dem durch trennen ging es ohne. Dann hatte ich Milchstau und Brustentzündung und Schmerzen. Heute bin ich froh, dass ich nicht aufgegeben habe und stille. Ich hatte am Anfang zu viel Milch, hätte deiner Kleinen auch sehr gerne etwas abgegeben 😊

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *

*