Als Blogger lebt man im Schlaraffenland. Ständig bekommt man Kooperationsanfragen, kostenlose Produkte zugeschickt, wird zu Events eingeladen und darf Hotels testen. Dafür knipst man hier und da mal ein Foto, das man irgendwo postet und fertig. FALSCH! Leider hält sich dieses Bild immer noch hartnäckig in vielen Köpfen. Und anscheinend auch in vielen Agentur- und Unternehmer-Köpfen. Zumindest kann ich mir nur so erklären, wie es zu diesen schrägen und teils unverschämten Kooperationsanfragen kommt, die fast täglich in meinem Postfach landen 🙂 Meine Top 4 stelle ich Euch heute einmal vor. Viel Spaß!

1. Die exklusive Blogger-Box

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Anfrage eines Unternehmens, die besondere Produktboxen zusammenstellen. Ich nenne nun bewusst nicht die Branche, da sonst sofort klar ist, um welche Box es geht 😉 Gemeinsam mit dem Anbieter sollte ich eine Box gestalten zum Thema Fitness, da dies ja gut zu mir und meinen Kanälen passt. Ich sollte Produkte recherchieren und auswählen und bei der Gestaltung mitwirken. Klang soweit ganz gut. Auf Rückfrage, welchen Benefit dies für mich habe und wie die Vergütung angedacht ist, erhielt ich die leider sehr übliche (und oft schlicht gelogene) Aussage: „Leider sind wir noch ein junges Unternehmen und haben daher ein sehr begrenztes Budget.“ Okay. Und was springt dann bei dem begrenzten Budget für mich raus? Nun ja, es gebe ein Fotoshooting mit mir und der Box. Die Bilder dürfte ich freundlicherweise auch selbst nutzen und bekäme für das Fotoshooting eine Entschädigung von 150€.

Man muss kein BWLer sein um zu erkennen: das ist nicht fair.

Danach wünscht man sich 3 Instagram Posts zur Vermarktung „meiner“ Box und, dass ich alle Posts des Unternehmens, die mit „meiner“ Box zu tun haben, auf meinem Account teile. Halt, stopp! Das Unternehmen bekommt für ein Shooting ein kostenloses Model, Bildrechte an Bildern auf denen ICH drauf bin, eine Vermarktung der Box auf meinem Kanal…und zahlt dafür…150€? Man muss kein BWLer zu sein um zu erkennen: das ist nicht fair. Ein Model plus Buyout zu zahlen, Bildrechte, mehrere Werbe-Posts auf Instagram,…das alles würde das Unternehmen normalerweise mehrere tausend Euro kosten. Ich habe abgelehnt. So schön ich die Idee fand, so billig muss sich niemand verkaufen (übrigens auch kein Account mit „nur“ 6000 Followern). Aber irgendwer findet sich immer, der sich für „so etwas“ hergibt. Daher bin ich schon sehr gespannt, bei welchem Blogger/Instagrammer die besagte Boxen-Kooperation bald auftaucht 😉

Kleiner aber lustiger Einschub zum Thema Boxen: Neulich erhielt ich die Anfrage, für eine Menstruations-Box zu werben 🙂 Abgesehen davon, dass ich es absolut schwachsinnig finde, sich Binden und Tampons in einer Box zuschicken zu lassen, wurde schon in der ersten Mail als Vergütung ein Halbjahresvorrat an Binden und Tampons angeboten. Haha 🙂 Euer Ernst?

2. Mein Lieblings-Müsli

Müsli läuft gut auf Instagram. Gefühlt JEDER Fitnessblogger/-Instagrammer macht Werbung für Müsli. Finde ich okay. Ich mag selbst gern Müsli und wenn dann die Verpackung noch toll gestaltet ist…warum nicht ein schickes Foto damit machen. Ich erhielt von besagtem Müsli-Hersteller, für den nun mal JEDER Werbung macht also eine Anfrage. Man könne sich super gut vorstellen, dass ich für mein Lieblingsmüsli der Firma werbe und meinen Followern einen tollen Rabattcode präsentiere (der Gleiche, den JEDER, der dafür wirbt, seinen Followern anbietet).

Vergütung? Sechs Müslis.

Man wolle erst einmal ein halbes Jahr lang testen, ob sich die Kooperation für alle Seiten lohnt, bevor man eine Vergütung zahlt. Ooooh Freunde! Ich arbeite selbst in einem großen Unternehmen. Glaubt Ihr denn, irgendwer macht erst Mal Arbeit UMSONST, weil man erst einmal schauen will, ob die geleistete Arbeit sich auszahlt? Ich kann doch auch nicht zu, Bäcker gehen, mir sechs Monate lang jeden Monat einen Kuchen geben lassen und hinterher sagen: „Sorry, hat sich für mich nicht gelohnt, deshalb zahle ich nichts.“ Sechs Müslis sind KEINE Vergütung für eine erbrachte Leistung (sprich: Fotos, Werbefläche zur Verfügung stellen, Rabattcode anpreisen,…).

3. Dreiste Agenturen

Vor einiger Zeit war ich einmal in einer Agentur unter Vertrag. Das läuft in der Regel so, dass die Agentur einem Aufträge sucht bzw. einem Kunden einen Blogger für eine Kampagne vorschlägt. Von der gezahlten Vergütung gehen am Ende 20% Agenturprovision ab. So weit, so normal. Nur, dass meine Agentur mir innerhalb eines Jahres nicht eine einzige Kooperation verschaffte. Von anderen Bloggern weiß ich, dass es ähnlich verlief. Die Agentur entschied sich nach einer Zeit, nur noch exklusiv-Verträge anzubieten. Jeder, der monatlich für die Agenturleistungen (äääh welche Leistungen?) zahlt, wurde weiter „vermarktet“, alle anderen bekamen einen Auflösungsvertrag. Ich entschied mich für letzteren, da mir diese Agentur wie gesagt NULL Mehrwert verschafft hatte. Vor einiger Zeit erhielt ich dann ein Überraschungspaket von der Agentur.

„Hey schickt mal bitte an alle Eure aktuellen und gekündigten Blogger ‘ne Bodylotion raus und drängt mal auf kostenlose Werbung für uns!“

Inhalt war ein Haarband und eine Bodylotion eines bekannten Kosmetikherstellers, der Wert auf vegane Produkte legt. Anbei eine Karte, mit der Bitte, die Kampagne auf allen meinen Kanälen zu teilen. Okay, warum genau sollte ich das tun? Werbung umsonst… Tatsächlich kam nach wenigen Tagen noch eine Mail, ob ich das tolle Paket erhalten hätte und man würde sich ja freuen, wenn ich Werbung für die Kampagne mache. Ich schrieb freundlich zurück, dass ich es erhalten hatte und den Link zur Petition gegebenenfalls auf meiner privaten Facebookseite teilen würde. Drei Wochen später eine erneute Mail: Ob ich denn mittlerweile die Kampagne auf Instagram und meinen anderen Kanälen gepostet hätte. NEIN, denn mein Instagram ist keine kostenlose Werbefläche und wird es niemals werden. Punkt. Was hatte der Kunde der Agentur gesagt? „Hey schickt mal bitte an alle Eure aktuellen und gekündigten Blogger ‘ne Bodylotion raus und drängt mal auf kostenlose Werbung für uns!“???

4. Handyhülle, Socken, Schnürsenkel

Wenn man wie ich einen Lifestyle-Schwerpunkt hat, scheint sich wohl so ziemlich alles vermarkten zu lassen. Daher flattern täglich Anfragen in mein Postfach, die immer gleich klingen. „Unser/e XY würde super gut zu Dir und Deinem Blog/Instagram passen. Deshalb würden wir uns über 2-3 Bilder freuen. Natürlich darfst Du die Schnürsenkel/Tee/Handyhülle/Billigschmuck/Haarbürste nach Deinem Posting behalten.“ Oh, wie gnädig aber auch. Meine Blogposts würden auch super in diverse Frauenmagazine passen. Ob ich da auch mal nach kostenloser Veröffentlichung und Werbung für meinen Blog fragen sollte? Ein Handyhüllen-Anbieter schrieb mir eine Anfrage bezüglich einer Kooperation. Ich antwortete, dass man schauen müsse, dass das Konzept zu mir passt und dass ich zudem nicht ohne Vergütung arbeite. Wie bei den meisten Anfragen gab es auf meine Rückmeldung keine Antwort mehr. Nun gut. 3 Wochen später schrieb mir der Gleiche Anbieter die exakt gleiche Mail. Ich antwortete, dass ich darauf bereits reagiert hatte und hängte den Originaltext meiner ersten Antwort an. Wieder zwei Wochen lang nichts. Heute bekam ich dann eine tolle Mail:

„Hallo, wir hätten gerne einen Blogpost und ein Instagramfoto. Du würdest 3 Handyhüllen und 50€ bekommen.“

Gut. Einen Blogpost zu schreiben je nach Stil und Rechercheaufwand ca. zwei Stunden plus etwa 2-4 Stunden (je nach Aufwand), um Bilder zu shooten, diese zu bearbeiten, einzupflegen, usw. Dazu biete ich eine Reichweite, meine Authentizität und hochwertigen Content. Noch nicht eingerechnet sind die Stunden, die zur Verbreitung des Posts auf verschiedenen Kanälen (Facebook, Pinterest, Instagram,…) benötigt werden. UND allein eine Linkplatzierung auf einer Website/Blog mit einer gewissen Reichweite kostet oft sehr viel Geld, da dies dem jeweiligen Advertiser relevante Vorteile in Suchmaschinen verschafft. Das alles für 50€? Sorry, lieber Handyhüllen-Hersteller…aber verar*che doch bitte einen anderen Blogger.

An dieser Stelle sei zu Kooperationsanfragen gesagt…

Es ist egal, ob Ihr Euren Blog/Instagram zum Beruf gemacht habt oder nur in Eurer Freizeit führt. Ihr müsst wissen, was Euch EURE Zeit Wert ist. Start-Ups, die mir erzählen, dass sie leider nur ein geringes Werbebudget haben, denen sage ich am liebsten, dass ICH neben Job und Studium leider nur ein sehr geringes ZEITBUDGET habe. Und diese Zeit ist Wertvoll. Ich bin studierte Journalistin und ich gebe weder meine Fotos noch meine Texte umsonst her. Darin stecken Kreativität, MEIN Gedankengut, meine Bildrechte, Zeitaufwand und Nerven. Und auch eine Werbefläche bekommt niemand umsonst, der z.B. in einem Magazin, TV oder auf Webseiten werben will.

Kennt Ihr solche Anfragen auch oder habt Ihr Euch als nicht-Blogger bisher gar keine Gedanken über so etwas gemacht? Habt Ihr Interesse mehr Themen zum Thema Bloggen und was dazu gehört zu lesen? Schreibt es mir gern in die Kommentare 😉

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