„Ich wasche meine Haare jetzt nur noch mit Roggenmehl!“ Meine Schwester schaute ungläubig. „Mit was? Mehl? Wieso das denn?“ Was mich dazu bewogen hat, meine Haare nicht mehr mit herkömmlichem Shampoo zu waschen, ob ich bis heute dabei geblieben bin und wie man überhaupt auf so eine Idee kommt, erzähle ich Euch heute.

Soweit die Herleitung. Dahinter steckt der Verzicht auf Shampoo und die Verwendung alternativer Reinigungsmethoden für die Haare. Grund ist unter anderem, dass Shampoo alles andere als nachhaltig ist. Plastikverpackung, Tenside und Co. Belasten die Umwelt. Kopfhaut und Haare leiden unter einem falschen PH-Wert, Silikonen und Parabenen. Zudem setzen viele Hersteller leider darauf, dass man sich möglichst oft die Haare wäscht um eben möglichst viel Shampoo zu verkaufen. Darum fettet der Ansatz oft schneller nach als uns lieb ist. Also warum nicht einfach mal zurück zu natürlicher Haarwäsche?

Vorteile der natürlichen Roggenmehl Haarwäsche

– Keine Tenside, Silikone, Parabene und anderer Chemiekram
– Das Haar wird nur gereinigt, nicht komplett entfettet
– Weniger Talgbildung, dadurch seltenere Haarwäsche (bis zu 10 Tage „fettfreier Ansatz“)
– günstig für den Geldbeutel
– umweltfreundlich, da kein Verpackungsmüll und keine Chemikalien im Abfluss

Nachteile der natürlichen Roggenmehl Haarwäsche

– das Anrühren und Waschen dauert deutlich (!) länger
– in der Dusche gibt es eine kleine Sauerei
– nach der Haarwäsche riechen die Haare nach Essig (wegen der sauren Rinse)
– für manche Haarstrukturen zu wenig Pflege
– unterwegs (z.B. im Schwimmbad) ist es etwas komplizierter, da man das Roggenmehl-Shampoo immer frisch anrühren sollte.

Warum ich die Roggenmehl Haarwäsche ausprobieren wollte

Ich selbst habe das Problem, dass ich quasi „süchtig“ nach Haarewaschen bin. Ich liebe frisch gewaschene duftende und leicht fallende Haare und mag es gar nicht, wenn der Ansatz fettig ist. Deshalb habe ich eine Zeit lang jeden Abend Haare gewaschen. Glücklicherweise ist meine dicke Mähne sehr unkompliziert. Ich föhne nie, gehe immer mit nassen Haaren ins Bett und morgens sind sie trocken und glatt. Der Nachteil an so dicken Haaren ist aber, dass Locken und jegliche andere Formgebung bereits nach wenigen Minuten wieder aushängen, egal mit welcher Technik und mit wie viel Festiger man sie bearbeitet. Aber zurück zum Thema. Mittlerweile zwinge ich mich dazu, meine Haare seltener zu waschen. Das bedeutet bei mir jeden 3. Tag wobei meine Haare bereits am zweiten Tag ohne Wäsche einen fettigen Ansatz bekommen und ich sie dann nicht mehr offen trage. Deshalb wollte ich meiner Kopfhaut einmal eine Art Reset gönnen. Einen natürlichen Neustart. Ohne Chemiekram. Mein angestrebtes Ziel: nur noch alle 5-7 Tage Haare waschen und dadurch sehr viel Zeit sparen und meine Haare und Kopfhaut schonen.

Theorie und Umsetzung in die Praxis

Von der Haarwäsche mit Roggenmehl habe ich ausschließlich Positives gelesen. Viele Blogger haben mich dazu inspiriert, es einfach selbst auszuprobieren. Hierbei gibt es verschiedene Techniken, das ganze anzugehen. Durchfetten lassen, Reinigung mit Saurer Rinse, mit Natron usw. Eine kleine Zusammenfassung findet Ihr weiter unten im Blogpost. Ich entschied mich, die Haare drei Haarwäschen nur mit Natron (bekommt Ihr in der Backabteilung) und anschließend einer Rinse aus 1EL Apfelessig gelöst in 1 Liter Wasser zu waschen. Es klappte überhaupt nicht. Meine Haare waren total Strähnig und fühlten sich absolut nicht wie frisch gewaschen an.

Also weiter zum nächsten Schritt: ich stieg sofort auf Roggenmehl um. Hier rührt man vorher eine Art Brei an, in dem man das Mehl einfach mit Wasser vermengt. Welche Art Mehl Ihr verwendet, kommt auf Eure Haarstruktur an. Da ich sehr dickes Haar habe, habe ich Vollkornmehl verwendet. Ob Ihr die Masse eher flüssig oder wie Brei anrührt, ist Euch überlassen, da hilft nur experimentieren. Das Haarewaschen funktioniert dann fast wie mit Shampoo. Man sollte bei langen, dicken Haaren jedoch sehr gründlich abteilen, damit wirklich jede Strähne und der komplette Ansatz mit der Mehlmischung in Kontakt kommt.

Warum ausgerechnet Roggenmehl?

Roggenmehl trifft mit einem PH-Wert von 5,5 ziemlich genau den unserer Kopfhaut. Der liegt so zwischen 4,5-5,5 und viele Shampoos liegen da einfach ziemlich daneben, was zu Schuppen und anderen Irritationen führen kann. Roggenmehl enthält außerdem eine ordentliche Portion an Proteinen und anderen nährenden und pflegenden Stoffen, die Haaren gut tun. Versucht es nicht mit anderen Mehlsorten! Sie enthalten zu viel Gluten, weshalb das eine ziemliche Kleberei geben kann und das will keiner auf dem Kopf haben.

Was brauche ich außer Roggenmehl?

Wer sich auf eine Haarwäsche mit Roggenmehl einlässt, sollte auf jeden Fall auch Apfelessig im Haus haben. Dieser ist zwingend notwendig, um nach der Mehl-Haarwäsche die Schuppenschicht der Haare zu schließen.

Zusammenfassung

– Vorbereitung: 3 Haarwäschen ausschließlich mit 2EL Natron gelöst in 500ml Wasser und danach Saure Rinse aus 1EL Apfelessig auf 1 Liter Wasser
– Roggenmehl-Shampoo: ca. 3-4EL Roggenmehl (vorher durchsieben wäre ideal) mit lauwarmem Wasser mit dem Schneebesen oder dem Shaker so gut verrühren dass keinerlei Klümpchen mehr vorhanden sind
– Roggenmehl-Shampoo sehr gut auf dem kompletten Ansatz auch hinten, unten und an den Seiten auftragen, ordentlich einmassieren und 3-5 Minuten einwirken lassen
– sehr gut (!) ausspülen, bis das Wasser wieder glasklar ist
– danach eine Saure Rinse aus 1EL Apfelessig gelöst in 1 Liter Wasser über die Kopfhaut und Haare gießen, kurz einwirken lassen und entweder mit Wasser oder Mineralwasser (falls Ihr sehr kalkhaltiges Leitungswasser habt) ausspülen
– Ab und zu können die Längen und Spitzen eine Portion extra Pflege gebrauchen z.B. aus Avocado, Ei, Kokosöl etc. aber VORSICHT: durch das Roggenmehl-Shampoo werden Öl-Rückstände niemals vollständig entfernt, damit also besser sparsam sein!

Mein Fazit zur Roggenmehl Haarwäsche

Ich sag’s Euch ohne Umweg: ich hab’s aufgegeben! Roggenmehl-Shampoo ist nichts für mich! Ich war anfangs total begeistert und super happy mit dem Ergebnis. Mein eigentliches Ziel, langsamer nachfettende Haare, war jedoch auch nach sechs Wochen Roggenmehl Haarwäsche noch nicht in Sicht. Spätestens am 3. Tag musste ich wieder waschen. Dafür kostet diese Art der Haarwäsche aber einfach viel zu viel Zeit. Zudem ist vielleicht meine Haarstruktur nicht so super geeignet. Meine Haare waren irgendwann super strohig und trotz Pflege-Öl in den Spitzen einfach nur trocken und am Ansatz strähnig. Ich habe herumexperimentiert und verschiedene Versionen ausprobiert doch leider war ich am Ende einfach nicht mehr überzeugt und wollte endlich wieder weiche, fluffige und gut riechende Haare sowie unkompliziertes Haarewaschen. Mittlerweile wasche ich wieder mit Shampoo. Ich verwende ein PH-hautneutrales Shampoo aus der Drogerie ohne Silikone, Parabene, usw.

Mein Tipp

Probiert es aus! Es gibt wirklich viele Mädels, die ausschließlich positive Erfahrungen mit der Roggenmehl Haarwäsche gesammelt haben und sie zu Recht jedem weiterempfehlen. Ob Eure Haarstruktur dafür geeignet ist, müsst Ihr einfach selbst herausfinden. Zu verlieren habt ihr rein gar nichts und gewinnt am Ende die Erkenntnis, ob die Roggenmehl Haarwäsche etwas für Euch ist oder eben nicht. Ich finde den Trend jedenfalls ganz toll! Ihr müsst herumexperimentieren und solltet Eurer Kopfhaut etwas Zeit geben. 6-8 Wochen muss man schon durchhalten, um dem Haar die Umstellung zu ermöglichen. Erst ab dann könnt Ihr ein entsprechendes Fazit wagen. Wenn es nichts für Euch ist, empfehle ich dennoch ein silikonfreies, tierversuchsfreies und PH-hautneutrales Shampoo. Um den PH-Wert zu testen, dieser steht nämlich nur bei ganz, ganz wenigen Shampoos auf der Verpackung, könnt Ihr Euch in der Apotheke Teststreifen besorgen. Er sollte zwischen 4,5 und 5,5 liegen.

Berichtet mir in den Kommentaren gerne einmal von Euren Erfahrungen mit Roggenmehl Haarwäsche und verratet mir, was Ihr davon haltet. Ich bin sher gespannt!

3 comments

Antworten

Ich habe es auch eine Zeit lang probiert, mochte das Haargefühl bei mir gar nicht. Ich habe eher feines, welliges Haar. Auch störte mich das es so aufwendig war. Komischerweise aber eher aufgrund der sauren Rinse.
Habe dann auch wieder eine Zeitlang normales aus der Drogerie genommen.
Möchte aber dem Körper und der Umwelt zuliebe wieder davon weg.
Habe mir jetzt von Sanoll das Joghurt Molke Shampoo geholt da dies ausschließlich Cocos Glucoside enthält. Geruch ist zwar so lala aber es schäumt wirklich gut und meine Haare sind im trockenen gut kämmbar. Mir wäre es ja lieber die Sachen sind komplett unbeduftet, dann kann ich mir zur Not selbst ein ätherisches Öl reinmachen.

Welches benutzt du jetzt genau?

Antworten

Hey Verena,

vielen Dank für den Tipp mit dem Shampoo. Soll ich mal ganz ehrlich sein: ich benutze zurzeit ein ganz „normales“ Shampoo von CD (ohne Silikone, Parabene, Tierversuche usw.). Wollte jetzt wegen der Plastik-Verschmutzung auf festes Shampoo umsteigen und werde demnächst mal die von Alverde und Rosenrot ausprobieren.

Liebe Grüße und viel Erfolg beim weiteren Herumexperimentieren 😉

Antworten

Das mit dem Roggenmehl wollte ich auch schon ausprobieren, habe mich aber ehrlich gesagt noch nicht ran getraut. Nach deinem Bericht würde es mich aber dennoch interessieren, ob meine Haar dafür geeignet wären.
Seit etwa einem Jahr verwende ich ein festes Shampoo von Rosenrot und kann es nur weiterempfehlen, auch wenn ich jeden 2./3. Tag meine Haare waschen muss. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass die Haare auch ohne viel Schaum sauber werden. Ich bin von 4 Plastikflaschen (2 Shampoos, Spülung Duschgel) auf ein Shampoobit und eine feste Seife umgestiegen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *

*