Gestern wurde ich einmal wieder auf Instagram gefragt: „Wie schaffst Du das nur alles?“ Auf diese Frage, kann ich gar nicht antworten. Sie nervt mich mittlerweile sogar tierisch. Nicht, weil es keine legitime Frage wäre. Viel mehr nerve ich mich selbst, denn Fakt ist: ich schaffe das eben NICHT alles.

Moms are super heroes without a cape

Ja, ich wäre gern Superwoman. Wirklich. Mein Tag bräuchte 54 Stunden und wahrscheinlich würde ich es selbst dann schaffen, ihn irgendwie vollzupacken. Während ich diese Zeilen hier tippe, liegt mein Freund neben Mathilda im Bett und gibt ihr die Nähe, die sie gerade mehr als sonst braucht und mir die Auszeit, die ich gerade brauche. „Das alles“…damit meinen meine lieben Leser vermutlich Studium und Kind. Wenn es „nur“ diese beiden Dinge wären, wäre es schon genug. Daneben habe ich wie jeder andere auch einen Haushalt zu wuppen mit piepsenden Waschmaschinen, Krümelchaos, Kleiderbergen und Mathilda’s Küchenschlacht. No Problem. Blogposts schreiben sich allerdings auch nicht von selbst, ebenso wie Instagram Bildchen und Email-Antworten. Sport müsste man auch noch irgendwie unterbringen, die Freunde nicht vernachlässigen und – oh… wie sehen die Haare aus…Zeit für ’ne Pediküre wäre auch mal wieder.

In den zwei Stunden, die Mathilda am Tag schläft, schaffe ich es gerade so, das entstandene Chaos in den Griff zu kriegen. Wenn sie wach ist, stehe ich jede Sekunde neben ihr. Spiele mit ihr, mache ihr Essen, das drei Minuten später entweder an der Kleidung klebt oder am Boden liegt. Ja, so ist das. Und ich beschwere mich auch nicht und das soll auch kein Mecker-Post werden. Denn ich liebe es, Mutter zu sein. Absolut!

Ich schaffe „das alles“, in dem ich mir immer wieder wie ein Mantra vorsage, dass das alles nur eine Phase ist. Eine stressige Phase weil Mathilda gerade sehr fordernd ist, mein Studium aber leider auch. Ich hab‘ ich die Schnauze voll. Nicht vom Muttersein sondern vom Studium. Seit fast 10 Jahren studiere ich jetzt. Selbst Schuld, keine Frage! Aber während meine ersten beiden Studiengänge (Jura abgebrochen, danach Journalismus erfolgreich beendet) ein Klacks waren, ist Psychologie einfach eine andere Hausnummer. Seit fast 5 Jahren bin ich dauernd am Lernen. Den Satz „Ich muss noch was für die Uni machen“ könnte ich mir eigentlich gut sichtbar irgendwo tätowieren lassen. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wann ich ein Buch gelesen habe, das nichts mit meinem Studium zu tun hat (außer Impflektüre wegen Mathilda). Einfach im Sommer an den Badesee…no chance! Am Wochenende nur Sport machen, auf der Couch gammeln oder stundenlang Serien schauen – konnte ich zuletzt mit 22. Kaffeeklatsch mit anderen Müttern, Shoppingbummel, Freunde besuchen – ist sehr selten mal drin. Unter dem Studium leidet das Privatleben ohnehin schon. Wenn man gleichzeitig noch ein Baby hat – gibt es kein Privatleben im eigentlichen Sinne mehr. Zumindest keine Zeit für Entspannung. Außer abends, falls Mathilda tatsächlich einmal um 21Uhr schläft.

Bald steht meine Masterarbeit an. Wie ich das schaffen will…keine Ahnung. Vielleicht schläft Mathilda bis dahin ja durch und ich kann die Nacht nutzen, um zu schreiben. Allen, die mich auf Instagram fragen, ob ich Studium und Kind gleichzeitig „empfehlen“ kann, denen kann ich nur eins sagen: überlegt es Euch drei Mal, ob Ihr das wirklich wollt! Das kommt natürlich absolut auf den Studiengang an. Aber Fakt ist: ähnlich wie beim „Multitasking“ können wir zwar mehrere Dinge gleichzeitig, aber dann eben nicht gleich gut. Einer der Bereiche, ob Familie, Studium oder private Auszeiten wird auf jeden Fall darunter leiden. Ich hatte weder einen richtigen „Mutterschutz“ (was auch daran lag, dass Mathilda 5 Wochen zu früh kam) in dem ich nicht gearbeitet und studiert habe sondern mich nur auf dir Schwangerschaft einlassen konnte. Noch hatte ich in den letzten 5 Jahren jemals mehr als 3-4 Wochen lernfreie Zeit. Andere entspannen sich, während die Kleinen schlafen oder bei Oma sind…ich lerne für eine Klausur oder schreibe irgendeine Hausarbeit oder Projektarbeit.

Ein kleiner Disclaimer noch am Schluss: das ist MEINE Empfindung und es gibt sicher auch tausend andere Studentinnen mit Babys und Kleinkindern, für die „das alles“ gar kein Problem ist. Ich persönlich habe so langsam einfach die Schnauze voll vom Studium und wäre liebend gern einfach mal „nur“ Mutter. Mit Kaffeeklatsch und Ausflügen und Buch lesen und ab und zu mal mit echter Langeweile. Trotzdem bin ich stolz und auch dankbar. Stolz auf meine Leistung und dankbar für meinen großartigen Freund, der mich so sehr unterstützt. Und irgendwann, das hoffe ich zumindest, wird sich all die Schufterei ganz sicher auch auszahlen 🙂

5 comments

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Für dieses offene und ehrliche Plädoyer würde ich dir gerne unendliche viele 💕💕💕 schicken ☺️! Und du kannst so super stolz auf deine Leistung sein. Und oft – ich hoffe sehr oft – ist das Leben ja genau aus diesen Dingen, die manchmal so anstrengend erscheinen, so wunderschön. Und Manchmal ist ein bisschen sich auf die Schulter klopfen also ganz arg in Ordnung!

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Huhu liebe Janna,

oh, vielen Dank! Die Herzen schicke ich Dir zurück!
Ganz liebe Grüße

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I See you. Lass dich virtuell umarmen und dir sagen: du schaffst das! (Und wenn du nicht magst, dann mach eine Pause). Ich schreibe momentan meine Masterarbeit (ebenfalls Psychologie) neben meinem inzwischen fast dreijährigen und ich kann dir nur sagen: sei stolz auf dich! Und setze Prioritäten – Badesee? Klar! Mach Mal pause und Gib dir Zeit zu regenerieren! Das Studium, die Prüfungen und die Arbeit laufen dir nicht weg! Genieß die Zeit mit deiner Mathilda und lass dir nicht die Laune von diesem unglaublichen Druck vermiesen! Ich will jetzt gar nicht Klugscheißern, vielleicht ist das auch eher ein Brief an mich selbst – aber vielleicht hilfts dir ja trotzdem! Ganz liebe Grüße und viel Freude und Erfolg weiterhin!

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Hey Theresa,

vielen Dank für Deine lieben Worte. Du hast absolut Recht! Eigentlich sollte man viel mehr genießen und viel weniger „stressen“. Wenn das bloß so einfach wäre…
Ich wünsche Dir ganz viel Durchhaltevermögen und viel Erfolg auf den letzten Metern Deines Studiums!

Fühl Dich gedrückt!

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Hallo,
ich bin eben über Pinterest auf den Text hier gestoßen und freue mich, dass es anderen auch so geht. 🙂 Ich studiere auch Psyhologie mit einer mittlerweile fast 4-jährigen Tochter. Da sie in der Kita ist, habe ich Gott sei Dank immer so bis 15h Zeit Sachen für die Uni zu machen, trotzdem muss ich oft abends noch 3-4h-Schichten einlegen, wenn sie im Bett ist. Aber: Wenn ich keine Lust habe, dann lasse ich es auch oft einfach. Ich habe akzeptiert, dass ich irgendwo Abstriche machen muss und bei weniger wichtigen Uni-Sachen lasse ich einfach mal was schleifen, oder versuche mir in Gruppenarbeiten immer Teile zu sichern, die mir liegen und bei denen ich schon Vorahnung habe, damit ich mich nicht stundenlang in ein neues Thema einarbeiten muss. Es gibt immer irgendwie Möglichkeiten sich Zeit für sich zu verschaffen, und wenn es nur mal abends ein Bad ist, wenn das Kind schläft. Allerdings gibt es natürlich auch Klausurenphasen, in denen vorzugsweise wegen Statistik mindestens 1x die Woche geheult wird und ich nah am Nervenzusammenbruch bin, aber das geht Gott sei dank auch vorbei! Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie erst nach 16h aus der Kita hole, aber dann ist das eben so und solange es nicht jeden Tag so ist, ist es für mich ok. Außerdem lasse ich sie manchmal nach der Kita zu Freunden gehen oder mit der Oma raus, dann habe ich den ganzen Tag für mich, wenn irgendwelche Abgaben oder so anstehen. Also: Mit höherem Alter wird es schon allein dadurch leichter, dass das Kind auch einfach mal alleine woanders sein kann. Dann hat man auch am Wochenende Zeit für den Zoo oder das Schwimmbad.
LG Luna 🙂

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