Teilen lernen – wie geht das eigentlich? Mein Kind teilt nicht (gern)! Erst gestern wieder: da streitet sich Mathilda mit ihrer Freundin um JEDES Spielzeug. Alles ist „MEINS“ und wehe es wird nicht sofort hergegeben. Und dabei ist es völlig irrelevant, wem das Spielzeug tatsächlich gehört. Mathilda will immer genau das haben, was ihre Freundin gerade hat und dann gibt es Geschrei, Hauen, Treten, usw. Vielleicht kommen Euch solche Situationen bekannt vor? Dann kann ich Euch eventuell beruhigen und Euch sagen: es ist „normal“!

Teilen lernen – ein Entwicklungsschritt

Gleich vorweg gesagt: Nicht teilen wollen ist evolutionär betrachtet etwas ganz „normales“. Denn wer gierig war und den meisten Besitz bzw. die meisten Ressourcen scheffelte, der hatte es leichter mit dem Überleben (und damit eben auch mit dem Fortpflanzen). Und wisst Ihr was: im Grunde wollen wir Erwachsenen genau so wenig teilen und abgeben. Wir haben aber im Laufe unseres Lebens verinnerlicht, dass wir uns sozial anpassen und einfügen müssen und es nicht besonders gut ankommt, wenn wir unkooperativ sind und beispielsweise unseren Kugelschreiber im Büro partout nicht kurz dem Kollegen ausleihen. Manche haben das mehr drauf, andere weniger. Super zu beobachten an sämtlichen Buffets und allen Orten, an denen es irgendetwas „umsonst“ zu ergattern gibt. Oder auch am Wühltisch des Discounters, wenn mal wieder etwas besonders Günstiges im Angebot ist oder generell am (so scheint es mir manchmal) wachsenden Egoismus und einer Ellenbogen-Mentalität unserer Gesellschaft (liebe ich ganz besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln…aber das ist ein anderes Thema). Fakt ist: Kleinkinder müssen erst lernen, sich in ein soziales Gefüge, in eine Gesellschaft, einzufügen und ihr Verhalten entsprechend anzupassen.

Meins! Teilen lernen kann man nicht erzwingen

Zurück zum Spielzeug teilen. Grundsätzlich ist das, was der/die andere gerade hat, viiiiel interessanter. Dass es nicht okay ist, jemandem etwas einfach zu entreißen und seinen Besitz dann körperlich zu verteidigen, müssen Kinder erst lernen. Dass Zwicken, Treten, Hauen oder Beißen dem anderen weh tut, verstehen Kinder kognitiv erst dann, wenn sie sich in andere hineinversetzen können. Diesen Perspektivenwechsel schaffen sie erst ab ca. 4-5 Jahren (wie immer gilt: manche früher, manche später). Echte Empathie empfinden sie deshalb vorher noch gar nicht. Ebenso fehlt ihnen das Verständnis von Eigentum. „Meins“ bedeutet nicht, dass es ihr Besitz ist, sondern bedeutet in dem Moment nur „das will ich haben“. Was Eigentum bedeutet, lernen sie ebenfalls erst, wenn sie ihre Perspektive wechseln können. Was also tun? Wenn Mathilda haut oder zwickt, sage ich „Nein“ oder „Stop“ und versuche, alle Beteiligten zu schützen. Immer wieder ertappe ich mich aber auch dabei, wie ich sage, „wir hauen doch nicht“, was aber nicht besonders sinnvoll ist, weil Kinder Negationen herausfiltern und das „nicht“ somit gar nicht wahrnehmen. Also lieber positiv bleiben und sagen „wir wollen gemeinsam spielen“. Wenn man denn unbedingt das Bedürfnis hat, mehr zu sagen als ein einfaches „Nein“ oder „Stopp“ 😉

Ab wann können Kinder teilen lernen?

Und wie sieht es neben dem reinen Verhindern von Verletzungen durch’s Streiten aus? Müssen wir Kindern das Teilen „anerziehen“? Meiner Ansicht nach: nein. Teilen ist Altruismus. Und diesen kann man nicht anerziehen. Wer teilt, tut dies von Herzen, aus innerem Antrieb heraus. So auch wir Erwachsene (manche von uns). Solange Kinder in einem egozentrischen Weltbild leben (und das tun sie laut Entwicklungspsychologie bis zu einer bestimmten Entwicklungsstufe , vgl. Bürki, 1998), bringt es nichts, ihnen Dankbarkeit („sag Danke!“) oder Mitgefühl („sag Entschuldigung!“) oder das Teilen „aufzuzwingen“.
Und wisst Ihr was: obwohl ich das weiß, ertappe ich mich fast Jeden Tag dabei, wie ich Mathilda’s soziale Interaktion zu moderieren versuche, in dem ich so etwas wie „sag bitte Entschuldigung“ sage. Meistens deshalb, weil ich glaube, dass die anwesenden Erwachsenen von mir erwarten, dass ich so etwas sage. Ich habe das Gefühl, dass Erwachsene erwarten, dass Kinder „Bitte“, „Danke“, „Entschuldigung“ und andere höflichen Umgangsformen besonders früh „beigebracht“ bekommen. Irgendwie blöd, dass ich mich davon auch oftmals unter Druck setzen lasse und dem Druck stand gebe, oder? Aber ich bin auch nur ein Mensch und arbeite an mir. Tag für Tag 🙂

Wie ist das bei Euch? Erzählt mal in den Kommentaren, ich freue mich!

Einen weiteren interessanten Artikel zum Thema findet Ihr übrigens HIER

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