Über 75 Prozent des ungesunden, übermäßigen Essens, das wir zu uns nehmen, geht auf das Konto unserer Emotionen. Fühlen wir uns gestresst, betrogen, verärgert, alleine oder hatten wir einfach nur einen anstengenden Tag, dann greifen wir viel eher zu Süßem, Fettigem und essen auch mal 3 statt nur einen Cupcake. Dass das nicht an mangelnder Motivation oder Disziplin liegt, machen neue Studien jetzt wieder deutlich.

Warum kann ich mich nicht zusammenreißen?

Hört auf, Euch selbst dafür zu hassen, dass Ihr “schonwieder nicht stark genug wart, zu widerstehen”. OIhr habt kaum Schuld, denn: Emotionales Essen ist nicht einfach zu kontrollieren. Warum? Weil unser Gehirn ein egoistisches Ar***loch ist. Und das ist auch gut so. Schließlich ist es quasi unsere Steuerzentrale. Ohne Gehirn geht einfach nichts (auch, wenn man bei manchen Menschen den Eindruck hat, dass es auch ganz gut ohne läuft 😉 ). Diese 2 Prozent unseres Körpers verbrauchen 50 Prozent des Glucosebedarfs. Und weil unsere grauen Zellen wirklich egoistisch sind, nehmen sie sich die Glucose. Ohne Rücksicht auf andere Organe. Wenn unser Gehirn feststellt, dass auch nur ein winziger Glucosemangel vorliegt, löst es sofort Alarmstufe rot aus. Dieser Alarm nennt sich Brain-Pull. Er veranlasst, dass – komme was wolle – dem Gehirn jetzt sofort Glucose zugeführt wird. Adrenalin wird ausgeschüttet. So wird sämtliche verfügbare Glucose direkt ans Gehirn weitergeleitet. Auch Muskel- und Fettzellen geben ihre Glucose ab, um das Gehirn zu versorgen. Dieser Brain-Pull ist gut. Sind wir gestresst, kommt er aber aus dem Gleichgewicht.

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Stress ist Daueralarm für Gehirn und Körper

Negative Gefühle versetzen unseren Körper in eine ähnliche Alarmbereitschaft. Sie sollen uns zeigen, dass es irgendwo ein Problem gibt, das es zu lösen gilt. Gelingt uns das nicht, fährt unser Körper zwar vorerst wieder herunter, indem er ordentlich Cortisol ausschüttet (ein Hormon, das die Einlagerung von Bauchfett begünstigt), allerdings tritt keine wirkliche Erleichterung ein. Das Problem besteht weiter. Der Ärger mit unserem Chef, der Liebeskummer, die Enttäuschung in der Freundschaft. Unser Gehirn im Dauerstress. Der Brain-Pull wird dadurch so gestört, dass der Körper auf den sogenannten Body-Pull zurückgreifen muss. Benötigte Glucose wird fortan vermehrt aus der gerade zugeführten Nahrung gewonnen, nicht mehr aus Fett- und Muskelzellen. Und das Gehirn verlernt quasi, was eine echte Alarmsituation ist und “vergisst”, sich zunächst einmal aus Fett- und Muskelzellen zu bedienen, bevor es sofort nach neuer Glucosezufuhr über die Nahrung schreit. Comfort-Eating, also essen, um uns emotional wieder ins Gleichgewicht zu bringen, bringt nur kurz Erleichterung. Die gerade durch zuckerhaltige Lebensmittel aufgenommene Glucose geht direkt in unser gestresstes Gehirn. Dort ist sie schnell verbraucht. Reserven werden nicht mehr angegriffen sondern bei jeder emotionalen Schieflage wird nun auf im Blut zirkulierende Glucose zurückgegriffen. Auf Dauer macht das dick.

Die Lösung

Es ist harte Arbeit, das Gehirn wieder “umzuprogrammieren”. Aber es lohnt sich. Wir müssen uns bewusst werden, welches Verlangen wirklich hinter unserem übermäßigen Appetit oder der vermeintlich übermächtigen Lust auf Ungesundes steckt. Wie bereits gesagt, sind negative Emotionen direkte Hinweise auf ein Problem, das es zu lösen gilt. Der Streit mit dem Partner, der Ärger auf der Arbeit, die Angst vor dem Versagen…das alles belastet unsere Seele und regt das Gehirn dazu an, sich in dauer Alarmbereitschaft zu versetzen. Der schnellste und vermeintlich leichteste Weg unsere Seele zu beruhigen: Essen. Doch der Glucoseschub und das Glücksgefühl sind leider nur sehr kurzzeitige Lösungen. Wir sollten daher das Übel an der Wurzel packen, tief in uns gehen und unseren inneren Konflikten mit Offenheit begegnen, statt die schlechten Gefühle mit Comfort-Eating nur zu betäuben.

Wie ergeht es Euch in stressigen Zeiten? Greift Ihr vermehrt zu Schoki und Co. oder lässt Euch der Stress kalt?

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